Gute Podcast-Interviews führen: So wird dein Gast zum Erzähler
Gute Podcast-Interviews entstehen durch gründliche Vorbereitung, offene Fragen und echtes Zuhören. Statt einen Fragenkatalog abzuarbeiten, solltest du deinem Gast Raum für Geschichten geben, gezielt nachhaken und auf konkrete Situationen, Entscheidungen und Erfahrungen eingehen.
Wie du ein gutes Podcast-Interview führst
Ein gutes Podcast-Interview entsteht zur Hälfte vor der Aufnahme. Die andere Hälfte entscheidet sich daran, wie gut du zuhörst. Deine Fragen sind ein Gerüst, an dem du dich festhältst. Das Gespräch selbst entwickelt sich im Moment und dafür solltest du auch offen sein.
Dein Gast wird zum Erzähler, sobald er merkt: Hier interessiert sich jemand wirklich für meine Geschichte und hakt ehrlich nach.
Das kannst du vorbereiten und üben.
Podcast-Interview vorbereiten: Themen statt Fragen sammeln
Die beste Vorbereitung hörst du in der fertigen Folge kaum. Du merkst sie daran, dass das Gespräch flüssig läuft und du nicht ständig auf deinen Fragenzettel schauen musst.
Recherchiere deinen Gast über seine Website hinaus.
Hör dir zwei oder drei andere Interviews mit ihm an. Welche Geschichten erzählt er immer wieder? Diese Themen musst du nicht noch einmal genauso abfragen. Suche lieber nach Aspekten, über die bisher wenig gesprochen wurde.
Führe ein kurzes Vorgespräch.
Zehn Minuten am Telefon oder per Video können reichen. Ihr lernt euch kennen, du hörst, wie dein Gast spricht, und kannst mögliche Themen besser einschätzen. Oft ergeben sich dabei bereits interessante Ansatzpunkte für das spätere Interview.
Lege das Ziel der Folge fest und frag dich:
Was sollen meine Hörer nach dieser Folge wissen, verstehen oder tun? Dieses Ziel ist dein roter Faden, wenn das Gespräch abschweift.
Schick einen Technik-Check mit.
Ein externes Mikrofon, Kopfhörer und ein möglichst ruhiger Raum mit wenig Hall verbessern die Aufnahme deutlich. Ein kurzer Technik-Hinweis in der Einladung kann dir später viel Nachbearbeitung sparen.
Auch dein Gast kann viel zu einem gelungenen Gespräch beitragen. In diesem Beitrag erfährst du, was einen guten Podcastgast ausmacht.
Podcast-Interview-Checkliste
Was du vor der Aufnahme tun solltest:
- Ziel der Folge festlegen
- Gast recherchieren
- andere Interviews des Gastes anhören
- fünf bis acht Themen statt eines langen Fragenkatalogs vorbereiten
- mögliche Nachfragen notieren
- bei Bedarf ein kurzes Vorgespräch führen
- Technik prüfen
- eine gute Einstiegsfrage überlegen
Die richtigen Fragen fürs Podcast-Interview
Brave Fragen bekommen oft brave Antworten. Wenn du möchtest, dass dein Gast Geschichten erzählt, frag nach konkreten Momenten, Entscheidungen und Erfahrungen.
Offene Fragen statt Ja/Nein-Fragen. Auf „War der Start schwierig?“ folgt schnell ein „Ja“. Auf „Was war im ersten Jahr dein schwierigster Moment?“ folgt eher eine Geschichte.
Nach konkreten Situationen fragen. Formulierungen wie „Erzähl mir von dem Moment, als …“ bringen deinen Gast zurück in eine bestimmte Situation.
Stelle maximal eine Frage pro Satz, denn bei langen Fragenketten beantwortet dein Gast oft nur den letzten Teil.
| Statt dieser Frage | Frag lieber |
|---|---|
| Wie bist du zu deinem Business gekommen? | Gab es einen Moment, an dem du wusstest: Ich mache das jetzt selbst? |
| Was sind deine Tipps für Anfänger? | Welchen Fehler aus deinem ersten Jahr würdest du heute verhindern? |
| Nutzt du Social Media? | Welcher Post hat dir den ersten Kunden gebracht und warum gerade der? |
| War der Anfang schwierig? | Was war im ersten Jahr dein schwierigster Moment? |
| Hat dich das überrascht? | Was hast du in diesem Moment gedacht? |
Mein Tipp: Schreib dir Stichworte statt komplett ausformulierter Fragen auf. Vorgelesene Fragen klingen schnell steif. Mit Stichworten kannst du freier formulieren und besser auf das reagieren, was dein Gast gerade sagt.
Mir hilft immer sehr, dass Dagmar meine Fragen mit kritischem Blick prüft und gegebenenfalls nachbessert, damit wir mehr Tiefe ins Gespräch bekommen.
Was tun, wenn dein Gast nur kurze Antworten gibt?
Manche Gäste antworten trotz offener Fragen sehr knapp. Dann hilft es wenig, einfach sofort zur nächsten vorbereiteten Frage zu springen.
Bitte stattdessen um ein konkretes Beispiel:
- „Kannst du mir ein Beispiel geben?“
- „Was ist damals genau passiert?“
- „Kannst du mich in die Situation mitnehmen?“
- „Wie hast du dich in diesem Moment entschieden?“
- „Was hast du danach gemacht?“
Oft fehlt nicht die Geschichte, aber die ausgesprochene Einladung, sie auch ausführlicher zu erzählen.
Während der Aufnahme: Zuhören ist dein wichtigstes Werkzeug
Der häufigste Fehler passiert im Kopf: Dein Gast spricht, und du überlegst schon die nächste Frage. Damit verpasst du oft genau die Stelle, an der es interessant wird.
Hör zu und hak nach.
Die besten Fragen stehen auf keinem Zettel, denn sie entstehen aus dem, was dein Gast gerade gesagt hat.
Gute Nachfragen für Podcast-Interviews
- „Was meinst du damit genau?“
- „Kannst du mir ein Beispiel geben?“
- „Was ist dann passiert?“
- „Wie hast du dich in diesem Moment entschieden?“
- „Warum war das für dich wichtig?“
- „Was würdest du heute anders machen?“
- „Wann hast du gemerkt, dass sich etwas verändert?“
Wenn du gut nachhakst, bringt das häufig mehr Substanz ins Gespräch als drei neue Fragen.
Halte Pausen aus.
Drei Sekunden Stille können sich während einer Aufnahme sehr lang anfühlen. Wenn du nicht sofort weiterredest, ergänzt dein Gast manchmal noch einen wichtigen Gedanken.
Lass deinen Gast glänzen.
Deine Hörer sind wegen des Gesprächs da. Halte deine eigenen Redeanteile kurz und unterbrich nicht, nur weil du zustimmen möchtest.
Nicht jede Antwort muss zur Geschichte werden
Geschichten machen Interviews lebendig, aber trotzdem muss nicht jede Antwort ausführlich sein.
Wenn dein Gast einen Begriff erklärt, eine konkrete Empfehlung gibt oder eine klare Einschätzung liefert, kann eine kurze und präzise Antwort besser sein als eine lange Anekdote.
Gute Interviewführung bedeutet deshalb auch, zu erkennen, wann Nachhaken Mehrwert bringt und wann du eine Antwort einfach stehen lassen solltest.
Mehr als zwei Stimmen: Sprich deine Gäste mit Namen an
Sobald drei oder mehr Menschen im Gespräch sind, entsteht ein zusätzliches Problem: Deine Hörer sehen niemanden Darum ist es wichtig, dass du Orientierung gibst.
Lass jeden Gast sich zu Beginn kurz selbst vorstellen. So können deine Hörer Stimme und Namen besser verbinden. Falls du das nicht tust, sprich als Interviewer die Gäste gezielt mit Namen an. und greife den Namen immer wieder auf.
Nenne die Namen lieber etwas häufiger als zu selten. Am Mikrofon fühlt sich das manchmal ungewohnt an, beim Hören schafft es Klarheit.
Wie unterbreche ich einen Gast höflich?
Manche Gäste reden sehr ausführlich oder entfernen sich stark vom Thema. Dann gehört auch freundliches Lenken zur Moderation.
Warte, wenn möglich, auf eine natürliche Pause und knüpfe an etwas an, das dein Gast gerade gesagt hat.
Zum Beispiel:
„Du hast gerade das Thema Kundengewinnung erwähnt. Da würde ich gern noch einmal einhaken.“
Oder:
„Bevor wir weitergehen, möchte ich noch kurz auf einen Punkt zurückkommen.“
So wirkt die Unterbrechung weniger abrupt.
Nach dem Interview: So nützt dir die Episode mehr
Mit dem Klick auf „Stopp“ ist die Arbeit nicht vorbei. Was du danach tust, beeinflusst auch, wie gut sich deine Folge verbreitet.
Bedanke dich zeitnah.
Hier reicht eine kurze Nachricht mit dem geplanten Erscheinungsdatum.
Gib deinem Gast Material zum Teilen.
Eine Zitatgrafik, ein kurzer Clip oder der direkte Link erleichtern das Teilen.
Für das Micro Audio Symposium erstellen wir mindestens 4 verschiedene Zitat-Grafiken, die die Gäste nutzen können.
Hör dir deine eigene Moderation an.
Achte darauf, wo du unterbrochen hast, wo eine Nachfrage gefehlt hat und wo du zu schnell weitergegangen bist.
Das ist eine der effektivsten Möglichkeiten, deine Interviewführung von Folge zu Folge zu verbessern.
Da muss ich mich selbst immer an der Nase nehmen, weil wir ja Gäste einladen, deren Themen uns selbst interessieren. Da kommt es schon mal vor, dass ich eher zu viel nachfragen will als zu wenig.
Häufige Fehler bei Podcast-Interviews
- Du redest mehr als dein Gast.
- Du liest deine Fragen vom Zettel ab.
- Du stellst mehrere Fragen gleichzeitig.
- Du unterbrichst, sobald dir etwas einfällt.
- Du hörst nicht richtig zu, weil du schon die nächste Frage planst.
- Die Folge hat kein klares Ziel.
- Bei mehreren Gästen ist nicht mehr klar, wer gerade spricht.
- Du hakst bei interessanten Aussagen nicht nach.
Häufige Fragen zu Podcast-Interviews
Wie viele Fragen sollte ich für ein Podcast-Interview vorbereiten?
Bereite lieber wenige Themen und mögliche Nachfragen vor als einen langen Fragenkatalog. Für ein 30- bis 40-minütiges Gespräch können fünf bis acht Themenblöcke völlig ausreichen.
Sollte ich meinem Podcast-Gast die Fragen vorher schicken?
Das hängt vom Format ab. Themen vorab zu schicken, kann deinem Gast Sicherheit geben. Komplett ausformulierte Fragen können allerdings dazu führen, dass Antworten zu vorbereitet oder einstudiert wirken.
Was mache ich, wenn mein Gast zu langatmig antwortet?
Warte möglichst auf eine natürliche Pause und führe das Gespräch freundlich zurück zum Thema. Eine kurze Zusammenfassung oder eine gezielte Nachfrage hilft dabei.
Wie bekomme ich bessere Antworten im Podcast?
Frag nach konkreten Situationen statt nach allgemeinen Einschätzungen. Fragen wie „Was ist damals passiert?“ oder „Welchen Fehler würdest du heute vermeiden?“ führen häufiger zu anschaulichen Antworten.
Wie kann ich in einem Podcast besser nachhaken?
Greif ein Wort, eine Aussage oder einen Widerspruch aus der Antwort deines Gastes auf. Besonders hilfreich sind Fragen wie „Was meinst du damit genau?“, „Kannst du ein Beispiel geben?“ und „Was passierte danach?“.
Key Takeaways
- Bereite für ein Podcast-Interview lieber Themen und mögliche Nachfragen vor als einen starren Fragenkatalog.
- Stelle offene Fragen nach konkreten Momenten, Entscheidungen und Erfahrungen.
- Hör aktiv zu und folge interessanten Aussagen, auch wenn sie nicht zu deiner geplanten nächsten Frage passen.
- Lass Pausen zu und gib deinem Gast Zeit, Gedanken weiterzuführen.
- Sprich bei mehreren Gästen regelmäßig Namen aus, damit deine Hörer wissen, wer gerade spricht.
- Ein gutes Podcast-Interview lebt nicht davon, dass du besonders viele Fragen stellst. Es lebt davon, dass du die richtigen Stellen erkennst, an denen es sich lohnt, genauer hinzuhören.
Jetzt bist du dran: Welche Frage hat dir in einem Interview schon einmal eine besonders gute Antwort gebracht? Verrate sie gerne in den Kommentaren.
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